Erfahrungsbericht Nissan Leaf – Tag 1 – Etappe 1

Die erste Etappe der Heimreise für den heutigen Tag am 17. März 2018 war geplant vom AH Schaller von Landsberg am Lech nach Salzburg/Wals zur Ladestation “Wals Green Tower (Airport Center)“. Insgesamt sind dies ca. 194km Strecke bei folgendem Höhenprofil:

Höhenprofil Etappe 1 (goingelectric.de)
Höhenprofil Etappe 1 – Landsberg/Lech nach Wals (goingelectric.de)

Eingestellt hatte ich für die gesamte Strecke den “ECO” Modus und für den Großteil den “D” Fahrmodus, stellte dann später irgendwann auf “B” um, für etwas mehr Rekuperation. Nach anfänglicher, kurzer Umgewöhnungszeit finde ich inzwischen die meisten relevanten Menüs (Verbrauch, etc.) auch während der Fahrt. Ich habe mit meiner älteren GoPro zwischendurch immer wieder ganz kurze Videos mitgefilmt, konkret die aktuelle Geschwindigkeit, Restreichweite und auch das Tablet mit Leaf Spy bzw. die GPS App zum Nachweis Differenz des Tachometers. Im Innenraum ist es übrigens sehr leise und angenehm. Bei ~100km/h hört man auf den Videos nur ein ganz leichtes Rauschen.

Auf dem Handy habe ich eine App zum Messen der Lautstärke, wobei das Ergebnis relativ zu sehen ist, da das Handy in der Halterung an der Windschutzscheibe verbaut war und hier die Vibrationen das Mikrofon doch etwas beeinträchtigen. Es wurden hier bei ~100km/h ~75 dB angezeigt. Der Vibrationsmesser zeigt auf der Skala auch einen Wert von 5,8 an (“Rather Strong. Dishes broken”) lt. Mercalli Intensitätsskala. Zum Einsatz kam hier übrigens die “Smart Tools” App. Das werde ich wohl irgendwann nochmal anders testen.

Wie bereits aus anderen Foren bzw. Youtube Videos bekannt, weicht die Reichweitenanzeige (% SOC) vom Display des Leafs in den unteren Regionen sehr stark vom tatsächlichen SOC-Wert lt. Leaf Spy ab. Momentan können nur Vermutungen angestellt werden, dass Nissan hier weit mehr Puffer eingeplant hat, um ein Liegenbleiben von ungeübten Fahrern zu verhinden. Leaf Spy könnte für das neue Modell noch falsche Werte zeigen, aber auch hierfür gibt es bereits Videos, die ein Fahren mit sehr niedrigem SOC darstellen. Hier noch ein Video, bei welchem jemand bis 6% Leaf Spy SOC runterfährt, dann ist Schluss. Das Fahrzeug selbst zeigt da schon länger keine Werte mehr an.

Nach den ersten ~15-20min Fahrt Richtung München ist der SOC von 95% bei Abfahrt auf ca. 85% gesunken. Die angezeigte Restreichweite war bei 208km. Gefahren wurden bisher 20km. Die Außentemperatur lag bei ca. 5° Celsius und die ersten Kilometer konnte man großteils nur 100km/h fahren. Leaf Spy zeigte ebenfalls den gleichen SOC Wert (~86%) an, bei ca. 34kWh Restakku. Hochgerechnet wären dies dann ~39,5kWh nutzbarer Wert? Ob man wirklich soviel nutzen kann, muss sich aber erst herausstellen. Den Großteil der Strecke bin ich zwischen ~100 und 120km/h lt Tachometer gefahren.

Beim ersten Baustellenstück mit 80km/h Geschwindigkeit (nach ~38km Strecke) hatte ich 78% SOC, Restreichweite 198km. Bei 74% SOC zeigte Leaf Spy noch ~76% an. Ab hier beginnen die ersten minimalen Abweichungen ersichtlich zu werden.

Die Tacho-Abweichung mit den eingesetzten (von AH Schaller ausgeborgten) 16″ Stahlfelgen und mir bis dato unbekannten Reifenmarke “Kumho” (205/55/R16) lag übrigens bei ungefähr 8-10km/h!

Im Stadtgebiet von München waren dann meist Geschwindigkeitsbeschränkungen von erlaubten 60 oder 80km/h. Bei 73% SOC war ich ~53km gefahren und hatte eine Restreichweite von 191km am Display des Leaf angezeigt. Der Durchschnittsverbrauch um 12:50 Uhr (nach ca. 50min effektiver Fahrzeit und einer Strecke von 65km bzw. bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 76km/h) lt. Bordcomputer lag bei 15,1kWh/100km. Ein recht passabler Wert.

Wo es machbar war, fuhr ich dem Verkehr entsprechend “schwimmend” auf der rechten Spur mit, bei ~120km/h lt. Display, bzw. 112km/h lt. GPS. Bei 57% SOC zeigt Leaf Spy ~62% an. Die Abweichungen werden hier bereits größer. Leaf Spy zeigte bei 61,8% SOC an, dass noch 24,3kWh verfügbar seien:

Leaf Spy bei 62% SOC
Leaf Spy bei 61,8% SOC

An dieser Stelle war ich bereits ca. 83km gefahren und hatte noch etwas mehr als 110km Fahrstrecke vor mir. Rein rechnerisch sollte es sich also locker ausgehen bei einem im Kopf leicht zu rechnenden Verbrauch von 20kWh/100km (der Durchschnittsverbrauch lag effektiv an dieser Stelle bei ~16-17kWh/100km).

Nach ca. 100km Gesamtfahrstrecke um ~13:20 Uhr verdichtete sich der Verkehr und der zuvor im Radio angekündigte Stau bei München machte sich langsam bemerkbar. Lt. Radio waren es 7km Stau, aber ich hatte defakto kaum Stehzeiten sondern nur langsamere Fahrt (30-50km/h). Die Heizung lief wie auf der ganzen Strecke mit ganz wenigen kurzen Ausnahmen zum Testen durch. Bei der Berechnung der Restreichweite machte sich die Heizung für mein Fahrprofil offenbar auch nicht wirklich bemerkbar. Ein Umschalten bewirkte nur einen Verlust von ca. 3km, wenn ich die Heizung aktiviere. Frieren oder ohne Heizung fahren braucht im neuen Leaf daher definitiv niemand. Die Sitzheizung habe ich bisher nicht getestet, weil es nicht notwendig war (wegen Verbrauch). Das Problem ist eher, dass bei den kalten Außentemperaturen relativ rasch die Seitenscheiben beschlagen und man erst recht wieder die Heizung/Gebläse einschalten muss.

Um 13:31 konnte ich dann wieder normal mit 120km/h weiterfahren. Hier war der SOC dann bei 45% bzw. 126km Restreichweite bei 118km gefahrener Strecke. Leaf Spy war bei 51,1%, 20,2 kWh Restakku – also immer noch selbst bei höherem Verbrauch 100km Rest drin. Stückweise musste ich danach verkehrsbedingt wieder langsamer fahren (~110km/h) und der SOC lag um 13:44 Uhr bei 31%, 83km Rest (bzw. 40,7% SOC und 16kWh Akkukapazität lt. Leaf Spy).

Um 14:11 Uhr fuhr ich schon etwas schneller, nämlich ca. 125km/h (bzw. 115km/h lt. GPS), 11% SOC und 30km Restreichweite. Es war nun nicht mehr weit (10min bzw. 14km lt. Navi) und es sollte sich alles locker ausgehen. Um 14:22 bei genau 9% SOC kam dann die Warnmeldung “Akkuladung ist gering. Jetzt laden”.

Warnung geringe Akkuladung bei 9% SOC
Warnung geringe Akkuladung bei 9% SOC, 29km Restreichweite nach ~196km Fahrt (213-17km)

Leaf Spy zeigte hier wiederum einen höheren SOC Wert mit 17,7% und 7kWh Restkapazität.

Leaf Spy SOC bei Warnmeldung
Leaf Spy SOC bei Warnmeldung

Hier nun die Informationen bei Ankunft bei der Ladestation in Wals:

Infos vom Bordcomputer bei Ankunft Ladestation Wals
Infos vom Bordcomputer bei Ankunft Ladestation Wals
Ankunft Ladestation Wals - Leaf Spy
Ankunft Ladestation Wals – Leaf Spy

Danach steckte ich den Chademo Stecker am Fahrzeug an und startete die Ladung. Bei Leaf Spy sah man gleich, dass mit 42,23kW losgelegt wurde:

Chademo DC Schnellladung - 42kW
Chademo DC Schnellladung – 42kW

Die geschätzte Ladezeit des Fahrzeugs war mit 34min bis 75% angegeben:

Geschätzte Ladezeit des Fahrzeugs
Geschätzte Ladezeit des Fahrzeugs
Batterietemperatur bei Ankunft in Wals
Batterietemperatur bei Ankunft in Wals – (noch) alles im “grünen” Bereich

Danach ging ich zum Burger King und holte mir etwas zu essen, war am WC und tippte kurz ein paar Infos am Notebook ins goingelectric.de Forum. Die Zeit verging viel zu schnell, ich hätte sogar eine längere Pause vertragen können, nachdem ich in der Nacht nur 5-6h geschlafen hatte.

Hier steht er nun und lädt :)
Hier steht er nun und lädt. Extra viel Platz gelassen für nachfolgende Fahrzeuge 🙂
War anfangs ganz alleine hier :)
War anfangs ganz alleine hier 🙂
Chademo DC!
Chademo DC!

Nach 43 Minuten Pause ging ich dann wieder zum Fahrzeug raus, lt. Ladesäule sind nun 85% SOC und 28,37kW nachgeladen worden. Die Nissan Werbung von 40min von 0-80% SOC stimmt also ganz gut.

Ladestand nach 43 Minuten
Ladestand nach 43 Minuten

Nachdem ich mir vom Burger King noch eine “Hot Blondie” aufgerissen hatte 🙂 wollte ich noch etwas länger Nachladen zum Aufessen. Nach 48 Minuten war der SOC dann bei 91% (30,73kWh reingeladen) – Restreichweite des Autos angezeigt basierend auf meinem bisherigen Fahrstil 239km bei 6° Außentemperatur. Dass ich diese bei meiner geplanten nächsten Etappe niemals erreichen werde, war auch bereits klar, daher wollte ich noch ein bisschen länger hierbleiben.

Nachdem sich nun ein i3 (ohne REX) zu mir gesellte, habe ich für ihn den DC CCS Lader freigegeben bei nunmehr 93% SOC nach 51 Minuten. Habe dann testweise nochmal ein paar Minuten auf AC nachgeladen, weil ich noch eine kurze Pause benötigt habe. Der Akku war inzwischen aber ziemlich warm geworden.

Noch fünf Minuten am AC nuckeln für 0,50kWh :)
Noch fünf Minuten am AC nuckeln für 0,50kWh 🙂
Leaf Spy sagt nun 93,8% SOC und 37kWh nutzbar - hochgerechnet 39,45kWh
Leaf Spy sagt nun 93,8% SOC und 37kWh nutzbar – hochgerechnet 39,45kWh
Akkutemperatur nach der ersten Schnellladung
Akkutemperatur nach der ersten Schnellladung – schrammt an den roten Bereich!

Mir ist bewusst, dass im Normalfall eine DC Schnellladung eher nicht bis 92% SOC sinnvoll ist, dennoch habe ich mir nicht erwartet, dass trotz sanfter erster Etappe und noch relativ kühlem Akku bei Ankunft, gleich nach der ersten Schnellladung trotz kühler Außentemperaturen der Akku an den roten Bereich geht.

 

Was mir an dieser Etappe noch sehr positiv aufgefallen ist, war der ProPilot. Ich bin ja letztes Jahr den Hyundai Ioniq ca. 1000km in einer Woche probegefahren und hatte hier beim Spurhaltesystem bzw. Abstandsradar/Tempomat kleine Anmerkungen, die doch sicherheitsrelevant waren. Nämlich dass der Ioniq z.B. zumindest bei meinen Testfahrten in Kurven auf der Landstraße das Vorderfahrzeug aus den “Augen” verloren hat und dann plötzlich mitten in der Kurve auf die eingestellte Geschwindigkeit beschleunigt. Das hat der Leaf jetzt in meinen bisher >500km Fahrstrecke nicht gemacht, es wirkte so als ob beim Lenkeinschlag das Radar laienhaft ausgedrückt mitwandert 🙂 Die Geschwindigkeit wurde korrekt gehalten. Für mein Gefühl bleibt der Leaf zwar gut in der Spur und pendelt nicht allzusehr, aber er fährt mir oft zu weit links und nicht mittig genug, weshalb ich desöfteren mal nachjustiert habe. Dies ist aber wohl eher subjektiv und vom eigenen Fahrstil abhängig.

Der Totwinkel-Assistent gefällt mir auch sehr gut und das orange Licht im Außenspiegel ist sehr auffällig und kaum zu übersehen.

Was ich auch spannend fand, war dass im Leaf Navi ein “Radarwarner” inkludiert ist, zwischendurch kam plötzlich mal die Ansage dass sich in 400m ein Radar befinden wird, was dann auch der Fall war.

 

Bei 98% SOC (nach AC Ladung) ging es dann mit angezeigten 265km Restreichweite (270km hochgerechnet auf 100%) in die 2. Etappe. Das Ziel war von Wals nach Sattledt ~102km in normaler Autobahngeschwindigkeit (130-140km/h). Nachdem es hier auch etwas bergauf geht, war es spannend wie sich das Auto dann verhält und was letztendlich von den 265km Restreichweite übrig bleiben sollte.