Zeit für Verändung – Abschied vom IONIQ 5

Nachdem die stille und sinnliche Zeit begonnen hat, ist es wohl an der Zeit, die Stille in diesem Blog zu beenden. Es ist Zeit für Veränderung. Das Leasing für den Hyundai IONIQ 5 läuft im Dezember 2025 aus und in den letzten Monaten diesen (und letzten :D) Jahres habe ich mir bereits einige Gedanken zu einem Nachfolger gemacht bzw. auch diverse Probefahrten durchgeführt.

Der Hyundai IONIQ 5 “First Edition” (mit damals allen möglichen Paketen/Features inkl. Solardach in Österreich) war in den letzten vier Jahren ein sehr treuer Begleiter mit guter Technik und top Ladegeschwindigkeit für seine Zeit (Baujahr 2021), basierend auf der 800V E-GMP Plattform. Insgesamt sind auf dem Fahrzeug nun knapp 60000km Fahrleistung und abgesehen von den anfänglichen Kinderkrankheiten (Defekt Solardach und diverse bekannte Geräusche wie Rattern/Knattern beim Gurt und Heckklappe bzw. einmal eine leere 12V Batterie, da ich das Fahrzeug mit weniger als 20% SOC abgestellt hatte), gab es keinerlei Probleme.

Hyundai stand auch wieder mit auf der Liste der zu vergleichenden Elektroautos, ist letztlich dann aber auch wegen des Preises der neuen 2025er Modelle ausgeschieden. Ich wollte jedenfalls wieder ein Fahrzeug in der gleichen Ausstattung für mich finden mit gutem Platzangebot, top Ladegeschwindigkeit und Allrad bzw. der Möglichkeit einer Anhängerkupplung und moderne Assistenzsysteme idealerweise mit gutem Software-Stack inkl. regelmäßige OTA-Updates.

Vielleicht nochmal an dieser Stelle eine kurze Zusammenfassung über die für mich wichtigsten Eigenschaften des IONIQ 5 und etwaiger negativer Aspekte, bevor ich auf die Auswahlkriterien und möglichen Kandidaten für eine Nachfolge eingehe.

  • Raumwunder
    • Der IONIQ 5 bietet mit seiner Bauform einen großen Kofferraum und viel Platzangebot im Innenraum – dies inbesondere auch durch eine verstellbare bzw. vorne offene Mittelkonsole und sogar eine elektrisch verstellbare Rücksitzbank – also die Auswahl zwischen mehr Beinfreiheit für die Passagiere hinten, oder doch mehr Platz für das Gepäck im Kofferraum. Letzteres Feature haben wir doch häufiger genutzt, um noch die letzten Zentimeter mit Taschen usw. ausnutzen zu können. Meine Allrad/AWD-Variante hatte auch noch einen kleinen Frunk, in welchem zumindest mein go-e Charger samt Adapterkabel und Hyundai Notladeziegel Platz gefunden haben. Die verstellbare Mittelkonsole ist aber mehr Gimmick für uns gewesen, als dass wir sie wirklich genutzt hätten. Vorne im Fußraum stand immer eine Aufbewahrungsbox mit diversem Zeug als “Raumteiler”.
      • Beim Platzangebot kommt aber auch ein für mich größerer negativer Aspekt zu tragen: der 3 Meter Radstand. Einerseits top Platz innen, aber… wie oft habe ich mich geärgert über den extrem langen Wendekreis dieses Fahrzeugs. In unserer Mietgarage der Wohnhausanlage muss ich jedes Mal mindestens drei, manchmal vier Mal reversieren, um in meine Parklücke zu gelangen bzw. auszuparken. Selbst in Schrägparker-Lücken vorwärts einzuparken stellt meist ein Problem dar und man muss zumindest noch einmal zurück, bevor man halbwegs gerade darin Platz findet. Von irgendwo mal auf der Straße schnell umdrehen oder einen U-Turn an der Kreuzung machen…da bin ich häufig lieber Umwege gefahren als dass ich hätte in die Kreuzung zurück reversieren müssen, weil dann doch plötzlich der Gehsteig im Weg ist…
  • Ladegeschwindigkeit
    • Die 800V E-GMP Plattform verspricht das Nachladen von 10-80% in 18min – und das wird auch gehalten, sofern der Akku ausreichend vortemperiert ist. Es war ein Traum immer recht flott bei den längeren Strecken wieder weiterfahren zu können, meist war da sogar das Auto schneller als man selbst auf dem WC. Mit dieser Ladegeschwindigkeit ist Hyundai immer noch vorne dabei, auch im Jahr 2025 mit dem inzwischen von 72 kWh auf 84 kWh vergrößertem Akku.
      • Hyundai hat leider für das Baujahr 2021 keine Software-Updates mehr geliefert, die ein manuelles Vorkonditionieren ermöglichen. Das automatisierte Aufwärmen des Akkus läuft somit nur über die Nutzung des Hyundai Navis bei Ansteuerung eines DC Chargers. Dies stellte für mich schon einen gröberen Nachteil dar, da ich das Hyundai Navi nicht wirklich nutzen wollte, sondern lieber meine AAWireless Box mit Android Auto und Google Maps oder andere Alternativen (ja, Hyundai kann kein Wireless Carplay/Android Auto im IONIQ 5, zumindest noch nicht im 2021 Modell).
      • Die Plattform hat leider auch einen vermeintlichen Hardware-Designfehler im ICCU-Steuergerät (Steuerung für AC-Laden, Hochvolt zu 12V, V2L, etc.). Die ICCU kann unter bestimmten Umständen einfach so während der Fahrt ausfallen und das Fahrzeug kann anschließend im Worst Case nur mehr zum Beschweren des Asphalts verwendet werden. In manchen Fällen war zum Glück eine Weiterfahrt möglich. Zu Beginn hat Hyundai aus meiner Sicht sehr viel Vertrauen verspielt – zum Einen waren die ICCU Ersatzgeräte nicht lagernd, es wurde von vielen Problemen mit Leihwägen und extrem langen Reparaturzeiten im Goingelectric-Forum und weltweit in den Medien berichtet. Inzwischen gab es mehrere Software-Updates und je nach Land auch Rückrufe, aber gelöst ist das Problem bis dato nicht – wäre da nicht ein findiger und selbst von den Ausfällen betroffener Elektroingenieur aus Deutschland, der die ICCU analysiert und Statistiken geführt – und am 28. November 2025 ein Posting veröffentlicht hat, das vielleicht endlich eine Lösung darstellen könnte: https://www.goingelectric.de/forum/viewtopic.php?f=531&t=99452 (TL;DR offenbar stellt Luftfeuchte beim Design der ICCU ein Problem dar)
  • Assistenzsysteme / Technik
    • Auch wenn ein Großteil diverser Sicherheitsassistenzsysteme bereits notwendig ist, um auch gut bei Euro NCAP bewertet zu werden, trennt sich hier die Spreu vom Weizen in der Implementierung und Qualität der Sensorik. So gut wie alle mir bekannten/verglichenen Fahrzeuge verfügen über alle wichtigen Features für eine sichere Fahrt, Parkassistenz usw, implementieren dies aber unterschiedlich, verzichten auf Radarsensoren oder werten z.B. nur Kameras rund um das Fahrzeug aus.
      • Konkret beim IONIQ 5 (BJ 2021) bemängle ich das Spurhalte- bzw. folgesystem. Es kommt sich einerseits immer wieder selbst in die Quere und gibt dann auf, ohne jegliche Meldung und fährt nur schnurstracks weiter, potenziell auch in den Graben. Ich hatte auf der Autobahn immer wieder mal einige “Kurven”, in denen das Spurfolgesystem über die Linien raus gefahren ist (egal ob rechts oder links), nur damit dann das Spurhaltesystem meldet, dass man die Linie überfahren hat… äh ja genau, das warst du selbst… Andererseits hat auch das Spurhaltesystem bei geraden Strecken immer wieder ein Pendeln innerhalb der Spur erzeugt, sehr nervig.
    • What’s HUD? Das Head-Up-Display, also eine Anzeige diverser Eckdaten, die während der Fahrt vorne auf die Windschutzscheibe ins Sichtfeld projiziert werden, nutzte ich relativ häufig und man gewöhnt sich auch recht schnell daran, z.B. nur hier die Fahrgeschwindigkeit abzulesen. Ein Must-have stellt es für mich jedoch insbesondere aus folgendem Grund aber nicht dar:
      • Es hat nämlich den Nachteil im Sommer, dass man bei polarisierten Sonnenbrillen genau gar nichts sieht, außer man neigt eben den Kopf seitlich. Das neue Fahrzeug muss diese Technik somit nicht unbedingt haben, viel lieber ein Display/Dashboard vorne mit einem guten Überblick.
      • Matrix LED hatte der IONIQ 5 in 2021 noch nicht und somit vermisse ich dies hoffentlich zum Glück nicht, wenn das neue Fahrzeug diese Ausstattung nicht hat. Die neueren IONIQ 5 verfügen jedoch bereits über Matrix LED, bei dem der Gegenverkehr automatisch ausgeblendet wird, auch wenn das Fernlicht aktiv ist.
    • Die Sprachsteuerung im IONIQ 5 habe ich maximal zum Einschalten der Lenkradheizung genutzt, ansonsten war mir das System zu behäbig. Ein neues Fahrzeug muss dies für mich nicht unterstützen, aber dies hängt natürlich auch stark vom Rest der Bedienung ab (Tasten vs. Touchdisplay).
  • Optik
    • Auch wenn natürlich die inneren Werte mehr zählen, optisch soll das Auto natürlich auch gut aussehen (im Auge des Betrachters) und der IONIQ 5 hat für mich immer noch einen coolen Look und es freut mich jedesmal andere zu sehen. Insbesondere die aktuelle Variante wie “N-Line” (oder gar die “N” Sportvariante) würde ich näher in Betracht ziehen.
  • Reichweite / Akku
    • Nachdem ich nun knapp acht Jahre rein elektrisch fahre und auch keine Lademöglichkeit zu Hause habe, soll der Akku ausreichend groß für längere Strecken – oder jedenfalls gepaart mit hoher Ladegeschwindigkeit – sein. Der IONIQ 5 war hier mit dem 72 kWh Akku immer ausreichend und zuverlässig auch bei längeren Fahrten nach Kroatien im Sommer bei Strecken >600km mit nur einem Ladestopp.
  • Effizienz
    • Der IONIQ 5 hat zwar einen schlechten cW-Wert fast wie ein Wandschrank, aber dennoch hat Hyundai sehr viel Wert auf Effizienz gelegt, was einem relativ niedrigen Verbrauch für diese Größe an Fahrzeug bietet. Ich habe hier auch meine Durchschnittsverbräuche der letzten Jahre dokumentiert, immer notiert beim Reifenwechsel. Grundsätzlich kann man sagen, dass für meine Strecken / Fahrprofil bzw. Fahrstil im Sommer der Verbrauch zwischen 17-19 kWh/100km (~380-420km Reichweite 100%) lag und im Winter um die 21-24 kWh/100km (~300-340km bei 100%, die effektiven Etappen dann natürlich etwas weniger, da man ja üblicherweise nicht auf 0% runterfährt). Persönlich habe ich immer mit 250-300km im Winter und im Sommer nochmal 50-100km mehr darauf gerechnet. Diese Werte sollte das Ersatzfahrzeug auch problemlos liefern können.

Worauf konnte ich sonst bisher im IONIQ 5 verzichten? Ladeplanung beispielsweise. Ein KO-Kriterium für viele, aber ich bin (oder war) hier teilweise noch etwas oldschool unterwegs und suche mir falls überhaupt notwendig kurz vorab auf längeren Strecken für mich grundsätzlich passende Ladestationen, abhängig von der Distanz vs. notwendiger WC-Pause, Ladeleistung und Anbieter. Üblicherweise sind meine Etappen 1,5-2h Strecken, danach muss sowieso immer irgendjemand aufs WC. Diese Etappen schaffen heutzutage so gut wie alle Autos in der Klasse locker und das auch im Winter. Gerade vor ein paar Monaten hatte ich eine Fahrt von Niederösterreich nach Kärnten (ca. 370km Strecke) und ich bin nur mit einem SOC von 50% von zu Hause losgefahren, was dann gleich ideal für die erste Pause und einem perfektem SOC für hohe Ladegeschwindigkeiten darstellte 🙂 Eine weitere Pause/Ladestopp war dann nicht mehr nötig bis zum Ziel.

Welche alternativen Fahrzeuge in ähnlicher Preiskategorie, Ausstattung und Bauart kommen denn nun für mich als Technikverliebter in Frage? Es gibt natürlich die E-Autos vom Volkswagen Konzern basierend auf der MEB-Plattform in diversen Varianten, z.B. VW ID4/ID5, Skoda Enyaq oder Cupra Tavascan. Alternativ auch Ford Capri (ebenfalls lizensierte MEB-Plattform). Natürlich wieder der Ioniq 5, eventuell auch Kia EV6. Weitere potenzielle Kandidaten für mich waren BYD Sealion 7, Smart #5 oder Tesla Model Y. Mercedes, Audi, Porsche usw. habe ich aus preislichen Gründen gleich vorab entfernt. Auch bei BMW hat für mich eigentlich nur die neue Klasse iX3 als relevant (bzgl. der Technik) ausgesehen, aber preislich liegt das in anderen Sphären. Auch Volvo oder Polestar waren auf den ersten Blick für die gebotene Leistung viel zu teuer (zumindest in Österreich). Zeekr und Lucid als Exoten sind hier noch nicht am Markt erhältlich.

Neu in Österreich seit Oktober/November 2025 ist nun aber auch Xpeng mit dem G6 – spannenderweise hatte ich das Auto schon vor über einem Jahr im Blickfeld wie es auf den deutschen Markt kam. Leider konnte man mir damals noch nicht mitteilen, wann der Markstart in Österreich wäre, aber das hat sich inzwischen glücklicherweise geklärt.

Wenn man auf der EV-Database Plattform mal ein paar Suchfilter eingibt (z.B. Beschleunigung, Akkugröße, Mindest-Ladeleistung usw.) erhält man ebenfalls einen guten Überblick über am Markt befindliche Fahrzeuge:

Link zu EV-Database.org

Im nächsten Teil gibt es einen kurzen Überblick über meine Probefahrten mit Fotos und erste Eindrücke diverser Kandidaten bzw. was letztendlich wirklich ausschlaggebend für die Auswahl des neuen Nachfolgers war.